
Deutschland will Gründerland sein. Die Politik wird nicht müde zu betonen, wie wichtig Innovationen und junge Unternehmen für unsere Zukunft sind. Um diesen Worten Taten folgen zu lassen, gibt es starke Instrumente wie die Förderkredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Theoretisch ist das ein perfektes System: Der Staat nimmt den Banken einen Großteil des Risikos ab, damit diese mutig Gründungen finanzieren können. Soweit die Theorie.
Die Praxis, die ich kürzlich als Begleiter eines befreundeten Jungunternehmers erleben musste, sieht leider anders aus. Sie offenbart einen tiefgreifenden Webfehler im sogenannten „Hausbankprinzip“ und zeigt, wie kurzfristige Profitgier langfristige Partnerschaften zerstört.
Der Fall: Ein solides Geschäftsmodell trifft auf Bankenlogik
Ich habe einen talentierten Gründer bei der Beantragung eines KfW-Gründungskredits unterstützt. Wir hatten unsere Hausaufgaben gemacht: Der Businessplan war durchdacht, das Geschäftsmodell stark und die Erfolgsaussichten, objektiv betrachtet, sehr gut.
Wir gingen zur Hausbank, denn KfW-Kredite müssen in der Regel über diese durchgeleitet werden. Die Bank fungiert als Torwächter.
Das Ergebnis des Gesprächs war ernüchternd und, wenn man genauer hinsieht, logisch kaum nachvollziehbar.
Die Absage und das unmoralische Angebot
Die Bank lehnte den Antrag auf den KfW-Kredit ab. Die Begründung: „Es sind keine ausreichenden Sicherheiten vorhanden.“
Das ist ein Standardargument, das man oft hört. Doch was im direkten Anschluss passierte, entlarvt diese Begründung als vorgeschoben. Noch im selben Atemzug bot man dem Gründer eine „Alternative“ an:
Einen hauseigenen, normalen Bankkredit. Der Zinssatz: satten 13,1 %.
Analyse: Wenn Risikomanagement zur Farce wird
Lassen Sie uns kurz innehalten und die Situation analysieren. Hier offenbart sich ein massiver logischer Bruch in der Argumentation der Bank:
- Das KfW-Szenario: Bei einem typischen KfW-Gründerkredit übernimmt die KfW (und damit der Steuerzahler) oft 80 % des Ausfallrisikos. Die Hausbank haftet nur für die verbleibenden 20 %.
- Das Hausbank-Szenario: Bei dem angebotenen eigenen Kredit trägt die Bank 100 % des Risikos, falls der Gründer scheitert.
Das Paradoxon: Die Bank behauptet, die Sicherheiten reichen nicht aus, um ein 20%-Risiko zu tragen. Aber dieselben Sicherheiten (und dieselbe Bonität des Gründers) reichen plötzlich aus, um ein 100%-Risiko zu tragen?
Das ist schlichtweg Unsinn. Wenn ein Kunde zu riskant für einen fast vollständig besicherten Staatskredit ist, dann ist er erst recht zu riskant für einen unbesicherten eigenen Kredit.
Die wahre Motivation: Marge vor Vernunft
Die einzig logische Erklärung für dieses Verhalten hat nichts mit Risikomanagement zu tun, sondern mit Profit.
An der Durchleitung eines KfW-Kredits verdient die Hausbank nur eine sehr schmale Marge. Es ist viel Arbeit für wenig Ertrag. Bei einem eigenen Kredit mit 13,1 % Zinsen hingegen ist die Gewinnspanne enorm – es grenzt an Wucher.
Die Bank nutzt ihre Position als notwendiger Vermittler für Fördermittel aus, um diese zu blockieren und stattdessen ihre eigenen, teuren Produkte zu verkaufen. Die Legitimation der Hausbank als „Partner des Mittelstands“ wird hier ad absurdum geführt.
Das Ergebnis: Vertrauen verspielt
Mein Freund, der Jungunternehmer, wird seinen Weg trotzdem gehen. Sein Geschäftsmodell ist gut genug, er wird damit Geld verdienen.
Aber die Bank hat zu kurz gedacht. Sie hat vielleicht kurzfristig die Chance auf eine hohe Zinsmarge gesehen (die der Gründer natürlich nicht angenommen hat), aber sie hat langfristig verloren.
Sie hat einen Kunden verloren, der in den nächsten Jahren wachsen wird, der Geschäftskonten, Anlageprodukte und weitere Finanzierungen benötigen wird. Dieser Unternehmer wird nie wieder Vertrauen zu dieser Bank haben.
Es ist frustrierend zu sehen, wie das eigentlich gute Instrument der KfW-Förderung am Nadelöhr der durchleitenden Banken scheitert, wenn diese ihre eigene Marge über den Förderauftrag stellen.
