Der Katalog hat 28 Regeln in 8 Bereichen. Jede Regel hat eine Kennung, eine Version, eine Rechtsquelle, eine Schwelle für Wesentlichkeit und einen Testfall. Der Prüfbericht protokolliert jede einzeln, auch die ohne Befund und die, die mangels Daten nicht laufen konnte.
Abstimmung
Bankendsaldo weicht vom Kontoauszug ab
Saldo des Bankkontos zum Stichtag laut Journal weicht vom Saldo laut Kontoauszug zum Stichtag ab.
Kassensaldo negativ
Laufender Tagessaldo eines Kassenkontos ist an mindestens einem Tag des Berichtsjahres kleiner als null. Ein Befund je Konto mit dem niedrigsten Tagessaldo.
Debitoren oder Kreditoren stimmen nicht mit OP-Liste
Je Personenkonto: Summe der offenen Posten laut OP-Liste zum Stichtag weicht vom Kontosaldo ab. Zusätzlich: Summe aller Debitoren bzw. Kreditoren weicht vom Sammelkonto in der Bilanz ab.
Eröffnungssalden weichen vom Vorjahr ab
Eröffnungssaldo je Bestandskonto (Buchungen gegen die Saldenvortragskonten) weicht vom Schlusssaldo des Vorjahres ab.
Abgrenzung
Vorauszahlung ohne aktiven Rechnungsabgrenzungsposten
Aufwandsbuchung im Berichtsjahr, deren Leistungszeitraum ganz oder teilweise nach dem Stichtag liegt, ohne Gegenposten auf dem aktiven RAP. Betrag ist der Anteil, der auf die Zeit nach dem Stichtag entfällt.
Erhaltene Anzahlung auf Ertragskonto gebucht
Erlösbuchung, deren Leistungsdatum nach dem Stichtag liegt, deren DATEV-Buchungstyp (#96, z.B. 'AA' angeforderte Anzahlung) oder Anzahlungsfelder (#97-101) eine Anzahlung kennzeichnen, oder deren Buchungstext ein Anzahlungsmuster trägt ('Anzahlung', 'Abschlag', 'Vorkasse'), ohne dass die Leistung bis zum Stichtag erbracht ist.
Rechnung Dezember im Januar gebucht
Buchung mit Belegdatum (DATEV #10) 01.01. bis 31.01. des Folgejahres, Leistungsdatum (#115) oder Steuerperiode (#116) im Berichtsjahr, ersatzweise Dezember-Muster im Buchungstext oder Belegfeld 1, Betrag über Schwelle.
Wartungsvertrag ohne Abgrenzung
Buchung auf Wartungs- oder Instandhaltungskonten, Buchungstext enthält Vertrags-/Wartungsmuster ('Wartung', 'Servicevertrag', 'Lizenz', 'Abo'), Leistungszeitraum reicht über den Stichtag, kein aktiver RAP.
Rückstellungen
Urlaubsrückstellung fehlt oder ist unverändert
Personalaufwand im Berichtsjahr größer null und Urlaubsrückstellung zum Stichtag null; oder Urlaubsrückstellung gleich Vorjahr, obwohl sich der Personalaufwand um mehr als die Schwelle verändert hat. Liegen im Kontext Resturlaubstage (Summe) und Jahresarbeitstage vor, wird ein Schätzbetrag gerechnet: Urlaubsentgelt (Personalaufwand 6000-6199 einschließlich Arbeitgeberanteile) geteilt durch Arbeitstage, mal Resturlaubstage. Keine Abzinsung, die Rückstellung ist stets kurzfristig.
Rückstellung für Abschlusskosten fehlt
Kein Haben-Saldo auf der Rückstellung für Abschluss- und Prüfungskosten zum Stichtag. Schätzbetrag ist der Vorjahresaufwand für Abschlusskosten.
Gewerbesteuerrückstellung fehlt trotz Gewinn
Vorläufiges Ergebnis vor Gewerbesteuer über dem Freibetrag, geschätzte Gewerbesteuer (Gewerbeertrag x Messzahl 3,5 % x Hebesatz) über den gebuchten Vorauszahlungen, keine Rückstellung gebucht.
Vorjahresrückstellung weder verbraucht noch aufgelöst
Rückstellungskonto mit Vorjahressaldo, im Berichtsjahr ohne jede Bewegung (kein Verbrauch, keine Auflösung, keine Zuführung, keine Aufzinsung, keine Umbuchung), Saldo zum Stichtag unverändert. Bei Restlaufzeit über einem Jahr fehlt dann auch die Aufzinsung nach § 253 Abs. 2 HGB.
Anlagevermögen
AfA-Lauf fehlt oder ist unvollständig
Summe der gebuchten planmäßigen Abschreibungen je Anlagenkonto weicht von der Abschreibung laut Anlagenverzeichnis ab, oder abnutzbares Anlagevermögen ist vorhanden und keine AfA gebucht.
Zugang über GWG-Grenze als Aufwand gebucht
(a) Buchung auf 6260 Sofortabschreibung GWG oder 0670 GWG mit Nettobetrag über der GWG-Grenze; oder (b) Einzelbuchung auf einem Aufwandskonto mit Nettobetrag über der GWG-Grenze, Buchungstext deutet auf eine Anschaffung hin (Musterliste, z.B. 'Laptop', 'Maschine', 'Regal'), nicht auf Reparatur oder Verbrauch. Fall (a) ist ein sicherer Treffer, Fall (b) ein Verdacht.
Anlagenabgang ohne Ausbuchung von AK und AfA
Erlös aus Anlagenverkauf gebucht, aber kein Haben-Abgang auf dem Anlagenkonto; oder Abgang im Anlagenverzeichnis ohne Buchung des Restbuchwerts.
Anlagenverzeichnis stimmt nicht mit Bilanzkonten
Restbuchwert je Anlagenkonto laut Anlagenverzeichnis zum Stichtag weicht vom Saldo des Sachkontos ab.
Umsatzsteuer
USt-Verprobung Umsatz mal Satz ungleich gebuchte USt
Je Steuersatz: Summe der steuerpflichtigen Erlöse mal Steuersatz weicht von der Summe der gebuchten Umsatzsteuer auf dem zugehörigen USt-Konto ab.
Vorsteuer auf Konten ohne Abzugsrecht
Buchung mit Vorsteuer-Steuerschlüssel auf einem Aufwandskonto, dessen Vorsteuer nicht abziehbar ist (z.B. 6620 Geschenke nicht abzugsfähig).
USt-Zahllast Dezember nicht passiviert
Umsatzsteuer der letzten Voranmeldungszeiträume (Dezember, bei Dauerfristverlängerung auch November) ist zum Stichtag nicht als Verbindlichkeit ausgewiesen bzw. USt- und Vorsteuerkonten sind nicht auf das Verrechnungskonto des laufenden Jahres umgebucht.
Bewertung
Forderung älter als 12 Monate ohne Einzelwertberichtigung
Offener Posten eines Debitors mit Belegdatum mehr als die Schwelle in Tagen vor dem Stichtag, ohne Einzelwertberichtigung. Betrag ist der Nettobetrag der Forderung.
Vorratsbestand unverändert trotz Wareneinsatz
Saldo der Vorratskonten zum Stichtag gleich Vorjahr, keine Bestandsveränderung gebucht, obwohl Wareneinsatz im Berichtsjahr größer null ist.
Fremdwährung nicht zum Stichtagskurs bewertet
Offener Posten oder Bankbestand in Fremdwährung, dessen Euro-Wert zum Stichtag vom Wert zum Devisenkassamittelkurs abweicht. Restlaufzeit bis ein Jahr: Kursverlust und Kursgewinn ansetzen (§ 256a Satz 2 HGB). Restlaufzeit über ein Jahr: Forderungen nur mit niedrigerem Kurs (Anschaffungskosten als Obergrenze), Verbindlichkeiten nur mit höherem Kurs (Höchstwertprinzip).
Plausibilität
Rohertragsmarge weicht mehr als 5 Punkte vom Vorjahr ab
Rohertragsmarge (Umsatzerlöse minus Materialaufwand, geteilt durch Umsatzerlöse) weicht um mehr als die Schwelle in Prozentpunkten vom Vorjahr ab.
Personalaufwand pro Kopf springt
Personalaufwand geteilt durch durchschnittliche Kopfzahl weicht um mehr als die Schwelle vom Vorjahreswert ab.
Konto im Vorjahr bebucht, im Berichtsjahr leer
GuV-Konto mit Vorjahres-Jahresverkehrszahl über der Schwelle hat im Berichtsjahr keine Buchung (Hinweis auf vergessene Rechnung, z.B. Versicherung, Miete, Abschlusskosten).
Formalien
Buchung ohne Belegnummer oder mit Zukunftsdatum
Buchung ohne Belegnummer, oder Buchungsdatum nach dem Erstellungsdatum des Exports, oder Belegdatum nach dem Buchungsdatum.
Privatkonto bei Kapitalgesellschaft bebucht
Buchung auf einem Privatkonto (Entnahmen/Einlagen), obwohl die Rechtsform eine Kapitalgesellschaft ist.
Verrechnungskonto Gesellschafter offen
Verrechnungskonto mit einem Gesellschafter hat zum Stichtag einen Saldo ungleich null. Hinweis auf gesonderten Ausweis bzw. Vermerk; bei Soll-Saldo ohne Zinsbuchung zusätzlich Hinweis auf fehlende Verzinsung.