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Die Regeln

Alle Regeln des Fehlerkatalogs mit Rechtsquelle, Datenbedarf und der Frage, wer einen Befund klärt.

Der Katalog hat 28 Regeln in 8 Bereichen. Jede Regel hat eine Kennung, eine Version, eine Rechtsquelle, eine Schwelle für Wesentlichkeit und einen Testfall. Der Prüfbericht protokolliert jede einzeln, auch die ohne Befund und die, die mangels Daten nicht laufen konnte.

Abstimmung

ABS-001

Bankendsaldo weicht vom Kontoauszug ab

Saldo des Bankkontos zum Stichtag laut Journal weicht vom Saldo laut Kontoauszug zum Stichtag ab.

Rechtsquelle: § 239 Abs. 2 HGB; § 240 Abs. 1 HGB · Schwere: hoch · braucht: Buchungen, Kontoauszug · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
ABS-002

Kassensaldo negativ

Laufender Tagessaldo eines Kassenkontos ist an mindestens einem Tag des Berichtsjahres kleiner als null. Ein Befund je Konto mit dem niedrigsten Tagessaldo.

Rechtsquelle: § 239 Abs. 2 HGB; § 146 Abs. 1 Satz 2 AO · Schwere: hoch · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
ABS-003

Debitoren oder Kreditoren stimmen nicht mit OP-Liste

Je Personenkonto: Summe der offenen Posten laut OP-Liste zum Stichtag weicht vom Kontosaldo ab. Zusätzlich: Summe aller Debitoren bzw. Kreditoren weicht vom Sammelkonto in der Bilanz ab.

Rechtsquelle: § 240 Abs. 1 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen, OP-Liste · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
ABS-004

Eröffnungssalden weichen vom Vorjahr ab

Eröffnungssaldo je Bestandskonto (Buchungen gegen die Saldenvortragskonten) weicht vom Schlusssaldo des Vorjahres ab.

Rechtsquelle: § 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB · Schwere: hoch · braucht: Buchungen, Vorjahr · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Kanzlei · Version 0.1

Abgrenzung

ABG-001

Vorauszahlung ohne aktiven Rechnungsabgrenzungsposten

Aufwandsbuchung im Berichtsjahr, deren Leistungszeitraum ganz oder teilweise nach dem Stichtag liegt, ohne Gegenposten auf dem aktiven RAP. Betrag ist der Anteil, der auf die Zeit nach dem Stichtag entfällt.

Rechtsquelle: § 250 Abs. 1 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
ABG-002

Erhaltene Anzahlung auf Ertragskonto gebucht

Erlösbuchung, deren Leistungsdatum nach dem Stichtag liegt, deren DATEV-Buchungstyp (#96, z.B. 'AA' angeforderte Anzahlung) oder Anzahlungsfelder (#97-101) eine Anzahlung kennzeichnen, oder deren Buchungstext ein Anzahlungsmuster trägt ('Anzahlung', 'Abschlag', 'Vorkasse'), ohne dass die Leistung bis zum Stichtag erbracht ist.

Rechtsquelle: § 266 Abs. 3 C. 3 HGB; § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB · Schwere: hoch · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
ABG-003

Rechnung Dezember im Januar gebucht

Buchung mit Belegdatum (DATEV #10) 01.01. bis 31.01. des Folgejahres, Leistungsdatum (#115) oder Steuerperiode (#116) im Berichtsjahr, ersatzweise Dezember-Muster im Buchungstext oder Belegfeld 1, Betrag über Schwelle.

Rechtsquelle: § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
ABG-004

Wartungsvertrag ohne Abgrenzung

Buchung auf Wartungs- oder Instandhaltungskonten, Buchungstext enthält Vertrags-/Wartungsmuster ('Wartung', 'Servicevertrag', 'Lizenz', 'Abo'), Leistungszeitraum reicht über den Stichtag, kein aktiver RAP.

Rechtsquelle: § 250 Abs. 1 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1

Rückstellungen

RST-001

Urlaubsrückstellung fehlt oder ist unverändert

Personalaufwand im Berichtsjahr größer null und Urlaubsrückstellung zum Stichtag null; oder Urlaubsrückstellung gleich Vorjahr, obwohl sich der Personalaufwand um mehr als die Schwelle verändert hat. Liegen im Kontext Resturlaubstage (Summe) und Jahresarbeitstage vor, wird ein Schätzbetrag gerechnet: Urlaubsentgelt (Personalaufwand 6000-6199 einschließlich Arbeitgeberanteile) geteilt durch Arbeitstage, mal Resturlaubstage. Keine Abzinsung, die Rückstellung ist stets kurzfristig.

Rechtsquelle: § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen, Vorjahr, Angaben · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
RST-002

Rückstellung für Abschlusskosten fehlt

Kein Haben-Saldo auf der Rückstellung für Abschluss- und Prüfungskosten zum Stichtag. Schätzbetrag ist der Vorjahresaufwand für Abschlusskosten.

Rechtsquelle: § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen, Vorjahr · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Kanzlei · Version 0.1
RST-003

Gewerbesteuerrückstellung fehlt trotz Gewinn

Vorläufiges Ergebnis vor Gewerbesteuer über dem Freibetrag, geschätzte Gewerbesteuer (Gewerbeertrag x Messzahl 3,5 % x Hebesatz) über den gebuchten Vorauszahlungen, keine Rückstellung gebucht.

Rechtsquelle: § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB; § 11 GewStG · Schwere: hoch · braucht: Buchungen, Angaben · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
RST-004

Vorjahresrückstellung weder verbraucht noch aufgelöst

Rückstellungskonto mit Vorjahressaldo, im Berichtsjahr ohne jede Bewegung (kein Verbrauch, keine Auflösung, keine Zuführung, keine Aufzinsung, keine Umbuchung), Saldo zum Stichtag unverändert. Bei Restlaufzeit über einem Jahr fehlt dann auch die Aufzinsung nach § 253 Abs. 2 HGB.

Rechtsquelle: § 249 Abs. 2 Satz 2 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen, Vorjahr · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1

Anlagevermögen

ANL-001

AfA-Lauf fehlt oder ist unvollständig

Summe der gebuchten planmäßigen Abschreibungen je Anlagenkonto weicht von der Abschreibung laut Anlagenverzeichnis ab, oder abnutzbares Anlagevermögen ist vorhanden und keine AfA gebucht.

Rechtsquelle: § 253 Abs. 3 Satz 1 und 2 HGB · Schwere: hoch · braucht: Buchungen, Anlagenverzeichnis · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Kanzlei · Version 0.1
ANL-002

Zugang über GWG-Grenze als Aufwand gebucht

(a) Buchung auf 6260 Sofortabschreibung GWG oder 0670 GWG mit Nettobetrag über der GWG-Grenze; oder (b) Einzelbuchung auf einem Aufwandskonto mit Nettobetrag über der GWG-Grenze, Buchungstext deutet auf eine Anschaffung hin (Musterliste, z.B. 'Laptop', 'Maschine', 'Regal'), nicht auf Reparatur oder Verbrauch. Fall (a) ist ein sicherer Treffer, Fall (b) ein Verdacht.

Rechtsquelle: § 253 Abs. 3 HGB; § 6 Abs. 2 und 2a EStG · Schwere: mittel · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
ANL-003

Anlagenabgang ohne Ausbuchung von AK und AfA

Erlös aus Anlagenverkauf gebucht, aber kein Haben-Abgang auf dem Anlagenkonto; oder Abgang im Anlagenverzeichnis ohne Buchung des Restbuchwerts.

Rechtsquelle: § 246 Abs. 1 HGB; § 253 Abs. 3 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen, Anlagenverzeichnis · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
ANL-004

Anlagenverzeichnis stimmt nicht mit Bilanzkonten

Restbuchwert je Anlagenkonto laut Anlagenverzeichnis zum Stichtag weicht vom Saldo des Sachkontos ab.

Rechtsquelle: § 240 Abs. 1 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen, Anlagenverzeichnis · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Kanzlei · Version 0.1

Umsatzsteuer

UST-001

USt-Verprobung Umsatz mal Satz ungleich gebuchte USt

Je Steuersatz: Summe der steuerpflichtigen Erlöse mal Steuersatz weicht von der Summe der gebuchten Umsatzsteuer auf dem zugehörigen USt-Konto ab.

Rechtsquelle: § 22 Abs. 1 UStG; § 12 UStG · Schwere: hoch · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Kanzlei · Version 0.1
UST-002

Vorsteuer auf Konten ohne Abzugsrecht

Buchung mit Vorsteuer-Steuerschlüssel auf einem Aufwandskonto, dessen Vorsteuer nicht abziehbar ist (z.B. 6620 Geschenke nicht abzugsfähig).

Rechtsquelle: § 15 Abs. 1a UStG; § 4 Abs. 5 EStG · Schwere: mittel · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Kanzlei · Version 0.1
UST-003

USt-Zahllast Dezember nicht passiviert

Umsatzsteuer der letzten Voranmeldungszeiträume (Dezember, bei Dauerfristverlängerung auch November) ist zum Stichtag nicht als Verbindlichkeit ausgewiesen bzw. USt- und Vorsteuerkonten sind nicht auf das Verrechnungskonto des laufenden Jahres umgebucht.

Rechtsquelle: § 266 Abs. 3 C. 8 HGB; § 18 Abs. 1 UStG · Schwere: hoch · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Kanzlei · Version 0.1

Bewertung

BEW-001

Forderung älter als 12 Monate ohne Einzelwertberichtigung

Offener Posten eines Debitors mit Belegdatum mehr als die Schwelle in Tagen vor dem Stichtag, ohne Einzelwertberichtigung. Betrag ist der Nettobetrag der Forderung.

Rechtsquelle: § 253 Abs. 4 Satz 2 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen, OP-Liste · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
BEW-002

Vorratsbestand unverändert trotz Wareneinsatz

Saldo der Vorratskonten zum Stichtag gleich Vorjahr, keine Bestandsveränderung gebucht, obwohl Wareneinsatz im Berichtsjahr größer null ist.

Rechtsquelle: § 240 Abs. 2 HGB; § 253 Abs. 4 HGB · Schwere: mittel · braucht: Buchungen, Vorjahr · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
BEW-003

Fremdwährung nicht zum Stichtagskurs bewertet

Offener Posten oder Bankbestand in Fremdwährung, dessen Euro-Wert zum Stichtag vom Wert zum Devisenkassamittelkurs abweicht. Restlaufzeit bis ein Jahr: Kursverlust und Kursgewinn ansetzen (§ 256a Satz 2 HGB). Restlaufzeit über ein Jahr: Forderungen nur mit niedrigerem Kurs (Anschaffungskosten als Obergrenze), Verbindlichkeiten nur mit höherem Kurs (Höchstwertprinzip).

Rechtsquelle: § 256a HGB · Schwere: niedrig · braucht: Buchungen, OP-Liste, Angaben · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Kanzlei · Version 0.1

Plausibilität

PLA-001

Rohertragsmarge weicht mehr als 5 Punkte vom Vorjahr ab

Rohertragsmarge (Umsatzerlöse minus Materialaufwand, geteilt durch Umsatzerlöse) weicht um mehr als die Schwelle in Prozentpunkten vom Vorjahr ab.

Rechtsquelle: IDW S 7 (Erstellung mit Plausibilitätsbeurteilung) · Schwere: niedrig · braucht: Buchungen, Vorjahr · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
PLA-002

Personalaufwand pro Kopf springt

Personalaufwand geteilt durch durchschnittliche Kopfzahl weicht um mehr als die Schwelle vom Vorjahreswert ab.

Rechtsquelle: IDW S 7 (Erstellung mit Plausibilitätsbeurteilung) · Schwere: niedrig · braucht: Buchungen, Vorjahr, Angaben · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
PLA-003

Konto im Vorjahr bebucht, im Berichtsjahr leer

GuV-Konto mit Vorjahres-Jahresverkehrszahl über der Schwelle hat im Berichtsjahr keine Buchung (Hinweis auf vergessene Rechnung, z.B. Versicherung, Miete, Abschlusskosten).

Rechtsquelle: IDW S 7 (Erstellung mit Plausibilitätsbeurteilung); § 246 Abs. 1 HGB · Schwere: niedrig · braucht: Buchungen, Vorjahr · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1

Formalien

FRM-001

Buchung ohne Belegnummer oder mit Zukunftsdatum

Buchung ohne Belegnummer, oder Buchungsdatum nach dem Erstellungsdatum des Exports, oder Belegdatum nach dem Buchungsdatum.

Rechtsquelle: § 239 Abs. 2 HGB; § 146 Abs. 1 AO; GoBD (BMF 28.11.2019, geändert 11.03.2024 und 14.07.2025) Rz. 36, 41, 45, 77, 94 · Schwere: niedrig · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
FRM-002

Privatkonto bei Kapitalgesellschaft bebucht

Buchung auf einem Privatkonto (Entnahmen/Einlagen), obwohl die Rechtsform eine Kapitalgesellschaft ist.

Rechtsquelle: § 42 Abs. 3 GmbHG; § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG · Schwere: hoch · braucht: Buchungen · braucht Einzelbuchungen · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1
FRM-003

Verrechnungskonto Gesellschafter offen

Verrechnungskonto mit einem Gesellschafter hat zum Stichtag einen Saldo ungleich null. Hinweis auf gesonderten Ausweis bzw. Vermerk; bei Soll-Saldo ohne Zinsbuchung zusätzlich Hinweis auf fehlende Verzinsung.

Rechtsquelle: § 42 Abs. 3 GmbHG · Schwere: mittel · braucht: Buchungen · auch aus einer Saldenliste · Klärung: Rückfrage an den Mandanten · Version 0.1